Schule für Erwachsene wird 50

Nach der Arbeit zum Unterricht

Sie haben im Jubiläumsjahr das Abitur an der Schule für Erwachsene in Dreieich bestanden. Das wurde natürlich groß gefeiert.
 

Dreieich - Vor 50 Jahren wurde das Abendgymnasium in Neu-Isenburg gegründet. Mittlerweile heißt die Einrichtung Schule für Erwachsene und befindet sich auf dem Gelände des Hauses des lebenslangen Lernens in Dreieich. Von Manuel Schubert 

 

In den vergangenen Jahrzehnten half sie vielen, einen besseren Schulabschluss nachzuholen. Harald Höfner muss schmunzeln, als er die Geschichte erzählt. Es ist eine Erfolgsstory, es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der Anfang des Monats an der Schule für Erwachsene (SfE) sein Abitur nachgeholt hat. Erst über einige Umwege schaffte es der Nachzügler in die Oberstufe. Zunächst sollte er das Geschäft seines Vaters übernehmen. „Das ist gründlich schiefgegangen“, sagt Höfner grinsend. Später verdiente der junge Mann seine Groschen als Taxifahrer – wobei er viel Zeit zum Lesen hatte, was ihn auf die Idee brachte, doch noch das Abitur nachzuholen. Er bestand, und zwar mit der Traumnote 1,0. Nun stehen ihm alle Türen offen. „Der ist hier richtig durchmarschiert“, freut sich Höfner.

Neben dem Jahrgangsprimus haben 22 weitere junge Erwachsene diesen Sommer ihr Abitur an der SfE abgelegt. Nicht nur für die Studierenden, sondern auch für die Institution ist es ein besonderes Jahr, denn die Schule für Erwachsene feiert ihren 50. Geburtstag. „Die Kollegen, die länger hier sind, sind schon stolz“, sagt Höfner. Warum der Schulleiter sich davon ausnimmt? Nicht, weil es ihm egal wäre, nein. Er ist schlicht und ergreifend erst seit 2011 an der Schule, zuvor war der 65-Jährige viele Jahre stellvertretender Schulleiter eines Abendgymnasiums in Frankfurt. Wie gut es ihm in Dreieich gefällt, zeigt aber die Tatsache, dass Höfner schon diesen Frühling in Pension hätte gehen können - nun hängt er freiwillig noch ein Jahr dran.

400 Studierende, 17 Klassen

Die Arbeit mit Leuten, die ihre Hochschulreife nachholen wollen, hat den Frankfurter schon immer gereizt. Direkt nach dem Referendariat fing Höfner an einer Abendschule an. Schon früh habe ihm das Unterrichten in der Oberstufe mehr Spaß gemacht, als die Arbeit mit pubertierenden Teenagern, erklärt er schmunzelnd. An der Schule für Erwachsene seien die Studierenden alle sehr willig. „Sie sind ja schließlich freiwillig hier“, sagt Höfner, der selbst Deutsch und historisch-politische Bildung unterrichtet, ein Fach, das es nur an Abendgymnasien gibt. Es sei schön, sagt der Schulleiter, „wenn man Leuten eine Chance geben kann, aufzusteigen“.

Rund 400 Studierende zählt die SfE pro Schuljahr, zurzeit teilen sie sich in 17 Klassen auf. Anfang des Jahres gab es noch zwei mehr - das waren diejenigen, die nun das Abitur abgelegt haben. Doch nicht jeder strebt nach dem höchsten aller Schulabschlüsse: Manche begnügen sich mit dem Realschulabschluss, andere sehen in der Fachoberschulreife genügend Perspektive. Selten sind die Studierenden älter als 30. Hin und wieder komme auch mal ein Senior vorbei, der sich noch einmal etwas beweisen möchte, das sei aber die Ausnahme, sagt Höfner. Von einer „normalen“ Schule unterscheidet sich die SfE eigentlich nur in zwei Punkten wesentlich: Da viele der Studierenden berufstätig sind, finden die Unterrichtsstunden entweder von 14 bis 19 Uhr oder von 17.30 bis 22 Uhr statt. Und: Hausaufgaben gibt es kaum, da viele Kursbesucher von der Arbeit direkt in die Schule fahren. „Da habe ich echt Respekt vor“, sagt Höfner.

„Praktisch kein Privatleben“

„Wer acht Stunden arbeitet und dann noch in die Schule geht, der hat praktisch kein Privatleben.“ Ohne Hausaufgaben muss in den Schulstunden natürlich manchmal aufs Gaspedal gedrückt werden, um alle wichtigen Themen behandeln zu können. „Das macht den Unterricht schwer“, so Höfner. Genauso wie die Tatsache, dass in einer Klasse schon mal Hauptschüler mit Gymnasiasten, die es schon mal bis zur elften Klasse geschafft haben, zusammensitzen können. Für die Lehrer bedeutet das: Die Langsamen nicht überfordern, und die Schnelleren mit Zusatzaufgaben beschäftigen.

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